Couch-Potato adé: Die unterschätzte Kraft der Verhaltensaktivierung

Von Grübelschleifen zu Handlungsfähigkeit und gelebten Werten
Viele psychotherapeutische Prozesse geraten ins Stocken, wenn Patient:innen zwar verstehen, was ihnen guttut, aber nicht ins Handeln kommen. Grübeln, Antriebslosigkeit und eingeschränktes Genussvermögen unterlaufen kognitive Interventionen und halten eine „Psyche in der Tretmühle“ aufrecht. Verhaltensaktivierung setzt genau hier an: nicht als triviale Beschäftigungstherapie, sondern als präzises, wirkungsvolles Verfahren zur Wiederherstellung von Selbstwirksamkeit, Motivation und emotionaler Resonanz. In der klinischen Praxis zeigt sich immer wieder, dass Veränderung häufig nicht durch Einsicht, sondern durch gezieltes Tun entsteht.
Der Kurs rückt Verhaltensaktivierung in den Mittelpunkt moderner Verhaltenstherapie und zeigt, warum sie gerade bei depressiver Symptomatik, Grübelneigung und chronischer Vermeidung ein zentraler Wirkfaktor ist. Ihre heutigen Anwendungsformen verbinden klare Prinzipien mit kreativer, hoch individualisierter Umsetzung – und erzielen damit bemerkenswert stabile Effekte.
Was Sie in diesem Kurs erwartet:
Der Workshop vermittelt Verhaltensaktivierung als strukturierten, zugleich flexiblen Therapieansatz. Anhand von Videodemonstrationen, Fallvignetten und Rollenspielen wird gezeigt, wie Aktivitätenmonitoring und -planung motivierend eingesetzt werden können und wie subtile Vermeidungsstrategien erkannt und überwunden werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Training des Belohnungserlebens: dem bewussten Wahrnehmen, Nachklingenlassen und Antizipieren positiver Alltagserfahrungen. Ergänzend werden typische Fehlerquellen und therapeutische Fallen diskutiert, die den Erfolg der Methode unterlaufen können. Theorie und praktische Anwendung sind dabei eng verzahnt.
Konkret werden behandelt:
- Verhaltensaktivierung als Wirkprinzip
Warum Handeln Emotionen verändert – und nicht umgekehrt. - Aktivitätenmonitoring und -planung
Motivierender Einsatz statt mechanischer To-do-Listen. - Umgang mit Vermeidung
Erkennen subtiler Rückzugs- und Ausweichstrategien. - Werte- und Zielorientierung
Aktivitäten als Ausdruck persönlicher Bedeutung. - Training des Belohnungserlebens
Aufbau von Genussfähigkeit und positiver Erwartung. - Typische Fehler und Fallen
Therapeutische Stolpersteine und konstruktive Alternativen.
Warum dieser Kurs?
Verhaltensaktivierung gehört zu den wirksamsten, zugleich aber oft unterschätzten Methoden der Verhaltenstherapie. In einer Versorgungspraxis, in der Grübeln, Erschöpfung und Antriebsmangel zunehmen, gewinnt sie besondere Relevanz. Ohne gezielte Aktivierung bleiben viele Therapien kognitiv korrekt, aber emotional wirkungslos.
Der Kurs bietet eine fundierte, praxisnahe Einführung in einen Ansatz, der einfach erscheint, aber hohe therapeutische Präzision erfordert. Er richtet sich an Therapeut:innen, die Patient:innen nicht länger erklären wollen, was sie tun sollten, sondern sie wirksam dabei unterstützen möchten, es auch zu tun.