Tourette und Tics – Es darf auch etwas Besonderes sein

Diagnostische Präzision und wirksame Behandlung eines unterschätzten Störungsbildes
Tic-Störungen und das Tourette-Syndrom gehören zu den am häufigsten missverstandenen neuropsychiatrischen Erkrankungen. Trotz klarer klinischer Merkmale werden sie in der psychotherapeutischen Praxis häufig übersehen, fehlgedeutet oder unzureichend behandelt. Die Folgen sind gravierend: unnötige Chronifizierung, sekundäre psychische Belastungen und ein erheblicher Leidensdruck bei Betroffenen und ihren Familien. Umso problematischer ist, dass nur wenige Psychotherapeut:innen über eine gesicherte diagnostische und therapeutische Expertise verfügen.
Der Kurs setzt genau hier an. Er zeigt, dass Tic-Störungen weder kuriose Randphänomene noch primär pädagogische Probleme sind, sondern klar beschreibbare, behandelbare Störungsbilder mit spezifischer neurobiologischer und lerntheoretischer Logik. Therapeutisch entscheidend ist die Fähigkeit, Tics zuverlässig zu erkennen, von anderen Bewegungs- und Verhaltensauffälligkeiten abzugrenzen und ein strukturiertes, evidenzbasiertes Vorgehen einzuleiten.
Was Sie in diesem Kurs erwartet:
Der zweitägige Workshop vermittelt einen umfassenden Überblick über alle klinisch relevanten Aspekte von Tic-Störungen und dem Tourette-Syndrom. Anhand zahlreicher Videobeispiele wird die diagnostische Sicherheit geschult und der Blick für subtile wie komplexe Tic-Phänomene geschärft. Nach Möglichkeit wird ein direkter Austausch mit Betroffenen ermöglicht, um subjektives Erleben und klinische Theorie zusammenzuführen.
Der zweite Kurstag ist der verhaltenstherapeutischen Behandlung gewidmet, mit Schwerpunkt auf dem Habit Reversal Training (HRT). Neben theoretischen Grundlagen und aktuellen Forschungsergebnissen stehen praktische Anwendung, typische Stolpersteine und Besonderheiten in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Fokus. Der Kurs ist interaktiv angelegt und bietet Raum für eigene Fallbeispiele und klinische Fragen.
Konkret werden behandelt:
- Phänomenologie von Tic-Störungen
Motorische und vokale Tics, Tourette-Syndrom und typische Verlaufsformen. - Differentialdiagnostik
Abgrenzung zu Zwangsstörungen, funktionellen Bewegungsstörungen, ADHS und anderen Störungsbildern. - Diagnostische Sicherheit
Klinische Kriterien, Beobachtung und Nutzung von Videomaterial. - Leben mit Tics
Subjektives Erleben, soziale Folgen und sekundäre psychische Belastungen. - Verhaltenstherapeutische Behandlung
Einführung in Habit Reversal Training (HRT) und verwandte Verfahren. - Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen
Entwicklungsaspekte, Einbindung von Bezugspersonen und Setting-Fragen.
Warum dieser Kurs?
Tic-Störungen sind gut behandelbar – vorausgesetzt, sie werden erkannt und fachkundig angegangen. Der Mangel an spezialisierter Expertise führt jedoch dazu, dass viele Betroffene jahrelang ohne angemessene Hilfe bleiben. Gleichzeitig zeigt die Forschung eindeutig, dass verhaltenstherapeutische Verfahren wie HRT hochwirksam sind.
Der Kurs richtet sich an Therapeut:innen, die ihre diagnostische Kompetenz erweitern und ein klar strukturiertes, evidenzbasiertes Behandlungsrepertoire aufbauen möchten. Er bietet die Möglichkeit, sich in einem selten abgedeckten, aber hochrelevanten Feld zu spezialisieren – und damit zu denjenigen zu gehören, die Tourette und Tic-Störungen nicht nur erkennen, sondern wirksam behandeln können.