Wer spricht gerade? – Dissoziative Identitätsstörung zwischen Mythos und therapeutischer Realität

Kaum eine Diagnose ist so umstritten wie die DIS. Und kaum eine wird so oft verfehlt, in beide Richtungen.
Dissoziative Identitätsstörung sicher diagnostizieren und behandeln: ICD-11, strukturelle Dissoziation und Enaktive Traumatherapie mit Videobeispielen.
Kaum eine Diagnose ist so von Mythen umstellt wie die Dissoziative Identitätsstörung, vom Kinofilm bis zu sozialen Medien. Zugleich ist sie klinische Realität: Schwere frühe Traumatisierung führt bei einem Teil der Betroffenen zu ausgeprägter dissoziativer Symptomatik bis zum Vollbild einer DIS. Sie zu erkennen ist gut möglich, wenn man weiß, worauf zu achten ist, und dazu gehört heute auch die respektvolle Abgrenzung zu Hilfesuchenden mit echtem Leidensdruck, aber ohne DIS.
Sie lernen die Traumadiagnostik nach ICD-11 mit ihren Neuerungen kennen, von den stressassoziierten Störungen bis zur komplexen PTBS. Für die DIS üben Sie Screeningverfahren und strukturierte Interviews, das Erkennen von Persönlichkeitswechseln sowie die Unterscheidung vollständiger und partieller Formen, veranschaulicht durch echte Fallvignetten mit Audio- und Videomaterial. Sie grenzen die Störung differenzialdiagnostisch von Borderline-Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie und Bipolarer Störung ab und entwickeln Strategien gegen falsch positive wie falsch negative Diagnosen. Als Behandlungsrahmen vermittelt der Kurs die Theorie der strukturellen Dissoziation nach Nijenhuis samt ihrer neurobiologischen Grundlagen und führt in die Enaktive Traumatherapie ein: therapeutische Haltung, Umgang mit verschiedenen Anteilen und angeleitete Selbstuntersuchung, geübt in Gesprächsübungen und Rollenspielen. Der Dozent arbeitet eng mit Ellert Nijenhuis zusammen und hat dessen Standardwerk mit ins Deutsche übertragen.
Den Abschluss bilden gesellschaftliche Aspekte komplexer Traumafolgestörungen und die Selbstfürsorge der Behandler; bringen Sie die Bereitschaft mit, in den Übungen selbst aktiv zu werden.