Ich liebe dich, ABER… – Umgang mit Partnerschaftskonflikten und Affären in der Einzel- und Paartherapie

Paarkonflikte, Affären und therapeutische Wege aus chronischer Beziehungsermüdung
Paarkonflikte gehören zu den konstantesten Themen psychotherapeutischer Arbeit – unabhängig davon, ob Therapie als Einzel- oder Paarsetting beginnt. Hinter Symptomen wie Depression, Angst, psychosomatischen Beschwerden oder Erschöpfung stehen nicht selten chronisch ungelöste Beziehungskonflikte. Besonders herausfordernd werden diese Prozesse, wenn Affären ins Spiel kommen. Sie wirken hochdestabilisierend, verletzen grundlegende Annahmen von Verlässlichkeit und Loyalität und stellen Therapeut:innen vor komplexe Fragen nach Haltung, Allparteilichkeit und therapeutischer Zielrichtung.
Affären sind dabei weniger Ausnahme als Ausdruck struktureller Beziehungsmuster: mangelnde Reziprozität, dysfunktionale Kommunikation, ungelöste Konflikte oder ein schleichender Verlust emotionaler Verbundenheit. Therapeutisch entscheidend ist daher nicht die moralische Bewertung, sondern das Verständnis der zugrunde liegenden Interaktionslogik. Der Kurs rückt Paardynamiken konsequent in den Mittelpunkt und zeigt, wie Beziehungskonflikte systematisch bearbeitet werden können – auch dann, wenn Vertrauen massiv erschüttert ist.
Was Sie in diesem Kurs erwartet
Der Kurs vermittelt die theoretischen und praktischen Grundlagen des evidenzbasierten Reziprozitätstrainings für Paare. Aufbauend auf einer differenzierten Diagnostik werden therapeutische Schritte vorgestellt, mit denen positive Austauschprozesse wieder aufgebaut und destruktive Interaktionsmuster unterbrochen werden können. Ergänzend werden spezifische therapeutische Zugänge zur Aufarbeitung außerpartnerschaftlicher Beziehungen erläutert, die sowohl im Paar- als auch im Einzelsetting Anwendung finden. Anhand von Videobeispielen wird das therapeutische Vorgehen anschaulich gemacht und in Rollenspielen praktisch eingeübt, um Handlungssicherheit für den klinischen Alltag zu entwickeln.
Konkret werden behandelt:
- Paarkonflikte im therapeutischen Kontext
Typische Dynamiken zwischen Nähe, Distanz und chronischer Unzufriedenheit. - Diagnostik von Interaktionsmustern
Erkennen dysfunktionaler Reziprozität und konflikterhaltender Prozesse. - Positive Reziprozität fördern
Aufbau konstruktiver Austausch- und Verstärkungsprozesse. - Kommunikations- und Problemlösetraining
Strukturierte Verfahren zur Deeskalation und gemeinsamen Lösungsfindung. - Krisenmanagement bei Affären
Therapeutische Bearbeitung von Vertrauensbruch und Loyalitätskonflikten. - Transfer in Einzel- und Paartherapie
Anwendung der Methoden in unterschiedlichen Settings.
Warum dieser Kurs?
Chronische Beziehungsunzufriedenheit ist ein zentraler Belastungsfaktor psychischer Gesundheit – für Einzelne ebenso wie für Paare. Affären verstärken diese Belastung, machen zugrunde liegende Muster sichtbar und erhöhen zugleich das Risiko für Therapieabbrüche oder eskalierende Konflikte. Ohne ein klares, strukturiertes Vorgehen geraten Therapeut:innen hier schnell in Loyalitätsdilemmata oder moralische Sackgassen.
Der Kurs bietet ein wissenschaftlich fundiertes, praxisnahes Instrumentarium für die Arbeit mit Paarkonflikten und Affären. Er stärkt die therapeutische Handlungssicherheit und ermöglicht es, Beziehung nicht nur zu analysieren, sondern gezielt zu verändern – damit aus „glücklich unzufrieden“ wieder eine tragfähige, bewusste Beziehungsgestaltung werden kann.