Sokratischer Dialog – Für denkende Menschen genial

Kognitive Klärung zwischen Überzeugung, Wirklichkeit und Veränderung
Viele psychische Belastungen entstehen nicht aus den Ereignissen selbst, sondern aus der Art, wie sie gedeutet, bewertet und in Schlussfolgerungen überführt werden. In der therapeutischen Praxis zeigt sich immer wieder, dass Überzeugungen inkonsistent, voreilig oder kaum realitätsgeprüft sind – und dennoch handlungsleitend wirken. Diese Denkprozesse erzeugen unnötiges Leiden, verfestigen Probleme und entziehen sich oft direkter Konfrontation. Der sokratische Dialog setzt genau hier an: nicht belehrend, nicht korrigierend, sondern prüfend, klärend und konsequent am Denken selbst orientiert.
Als zentrale Gesprächskompetenz kognitiv orientierter Psychotherapie ermöglicht der sokratische Dialog, Überzeugungen schrittweise sichtbar, überprüfbar und veränderbar zu machen. Seine Wirksamkeit liegt nicht in der Technik allein, sondern in der Haltung: neugierig, respektvoll und zugleich logisch präzise. Richtig angewendet fördert er Selbstreflexion, Einsicht und Eigenverantwortung – ohne Widerstand zu provozieren oder die therapeutische Beziehung zu belasten.
Was Sie in diesem Kurs erwartet:
Der Kurs vermittelt den sokratischen Dialog als anspruchsvolles, zugleich äußerst wirksames therapeutisches Instrument. Im Zentrum stehen fünf grundlegende Haltungen und Vorgehensweisen, die eine gelungene sokratische Gesprächsführung ermöglichen. Die Teilnehmer:innen lernen, wie sokratische Interventionen sorgfältig vorbereitet, flexibel eingesetzt und situationsangemessen variiert werden können. Deutlich wird, wie der Dialog in unterschiedliche therapeutische Konzepte integrierbar ist und warum seine Wirkung weit über reine Kognitionsarbeit hinausgeht. Theorie, Demonstrationen und praktische Übungen greifen ineinander und machen den sokratischen Dialog als Denk- und Arbeitsweise erfahrbar.
Konkret werden behandelt:
- Denkfehler und ihre klinische Relevanz
Typische Verzerrungen, voreilige Schlüsse und unlogische Überzeugungssysteme. - Haltung im sokratischen Dialog
Neugier, Allparteilichkeit und logische Stringenz als therapeutische Grundlage. - Fünf zentrale Vorgehensweisen
Struktur, Fragetechniken und Gesprächslogik sokratischer Klärung. - Vorbereitung sokratischer Gespräche
Hypothesenbildung, Zielklärung und Passung zur therapeutischen Situation. - Flexible Anwendung in der Praxis
Integration in verschiedene Therapieansätze und Settings. - Grenzen und Stolpersteine
Wann sokratische Techniken klären – und wann sie blockieren.
Warum dieser Kurs?
Der sokratische Dialog ist ein zentrales, aber häufig unterschätztes Werkzeug psychotherapeutischer Arbeit. In einer Zeit zunehmender Komplexität, emotionaler Überwältigung und schneller Bewertungen gewinnt präzises Denken therapeutisch an Bedeutung. Gleichzeitig erfordert sokratische Gesprächsführung ein hohes Maß an methodischer Klarheit und innerer Haltung.
Der Kurs schärft diese Kompetenz und macht den sokratischen Dialog wieder zu dem, was er sein kann: ein elegantes, wirksames Instrument zur Förderung von Einsicht, Autonomie und realistischer Selbstbewertung. Für Therapeut:innen, die Denken nicht korrigieren, sondern entwickeln wollen.