Voller Warenkorb, leeres Gefühl? – oder: Kaufen gegen Kummer. Die Psychotherapie der Kaufsucht

„Die Pakete bleiben ungeöffnet. Bestellt wird trotzdem.“
Kaufsucht erkennen und behandeln: Diagnostik nach ICD-11, digitale Risikofaktoren und verhaltenstherapeutische Interventionen bis zur Rückfallprävention.
Ungeöffnete Pakete, versteckte Rechnungen, heimliche Bestellungen: Kaufsucht ist mit so viel Scham verbunden, dass Betroffene sie lange verheimlichen und in der Praxis eher mit Depression, Ängsten oder Schulden vorstellig werden als mit dem Kaufverhalten selbst. Digitale Kaufumgebungen mit ihren gezielten Kaufanreizen verschärfen das Problem. Diese Fortbildung vermittelt, wie Sie die Kauf-Shopping-Störung erkennen und evidenzbasiert behandeln.
Sie lernen die diagnostischen Kriterien, Screeningverfahren und die Einordnung in der ICD-11-Systematik kennen und grenzen die Störung differenzialdiagnostisch ab. Sie verstehen die aufrechterhaltenden Mechanismen von Selbstwertregulation und materialistischer Werteorientierung über Emotionsregulation, Impulsivität und Craving bis zur häufigen Komorbidität, und Sie kennen die Rolle von Online-Shopping, sozialen Medien und sogenannten Dark Patterns. Therapeutisch üben Sie die Verhaltensanalyse und individuelle Fallkonzeption in Kleingruppen sowie kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen: Förderung der Änderungsmotivation, Stimuluskontrolle, Kaufaufschub, Geld- und Schuldenmanagement, Aufbau von Alternativverhalten, expositionsbasierte Ansätze und Rückfallprävention, dazu den Umgang mit Scham, Bagatellisierung und Täuschungsverhalten. Die Dozentin erforscht und behandelt die Störung seit vielen Jahren in einer Spezialambulanz und hat an den internationalen Diagnosekriterien mitgearbeitet.
Die Diskussion eigener Fallbeispiele ist ausdrücklich erwünscht; auch die Reflexion eigener Konsummuster hat im Kurs ihren Platz.