Wenn der Körper die Vergangenheit nachspielt – Körperselbst und Traumaspuren in der psychodynamischen Behandlungstechnik

Trauma verstehen jenseits des Gesagten und therapeutisch durcharbeiten
Die Traumaforschung zeigt seit Langem, dass sich traumatische Erfahrungen nicht primär narrativ, sondern im Körperselbst einschreiben. Dies gilt in besonderem Maße für frühe Bindungstraumata, die zu einer Zeit entstehen, in der sprachliche Symbolisierung noch nicht zur Verfügung steht. In der psychodynamischen Behandlung stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie können präverbale Traumaspuren erreicht werden, die sich dem bewussten Erinnern entziehen, aber das aktuelle Erleben und Beziehungshandeln nachhaltig prägen?
Das Konzept des verkapselten Körperengramms beschreibt diese Traumaspuren als körperlich gebundene Erinnerungseinheiten, die durch spezifische Abwehrmechanismen abgespalten bleiben. Sie zeigen sich nicht als Geschichte, sondern als Spannung, Affekt, Impuls oder Beziehungsgeste. Der Kurs macht deutlich, dass eine rein sprachliche Bearbeitung hier an Grenzen stößt – und dass der Körper selbst zum zentralen Zugang therapeutischer Arbeit werden muss.
Was Sie in diesem Kurs erwartet:
Das Seminar vermittelt ein differenziertes Störungsverständnis des Körperselbst bei traumatischen Erfahrungen und entwickelt daraus eine spezifische psychodynamische Behandlungstechnik. Im Mittelpunkt steht die Methode der somatischen Narration, mit der verkapselte Trauma-Engramme in den therapeutischen Prozess eingeladen und innerhalb der Beziehung bearbeitet werden können. Anhand zahlreicher klinischer Beispiele wird gezeigt, wie körperliche Phänomene wahrgenommen, benannt und gemeinsam mentalisiert werden, ohne sie zu überfordern oder zu re-inszenieren. Theorie und klinische Demonstration greifen dabei eng ineinander und ermöglichen eine präzise, zugleich sensible therapeutische Vorgehensweise.
Konkret werden behandelt:
- Trauma und Körperselbst
Wie sich traumatische Erfahrungen im Körpergedächtnis einschreiben und erhalten bleiben. - Das verkapselte Körperengramm
Konzeptualisierung präverbaler Traumaspuren und ihrer körperlichen Abwehrmechanismen. - Somatische Narration als Behandlungstechnik
Einladung, Darstellung und Durcharbeitung körperlich gebundener Traumaerinnerungen. - Therapeutische Beziehung als Bühne
Bedeutung von Gegenübertragung, Affektabstimmung und Beziehungsgestaltung. - Klinische Anwendung
Arbeit an Fallbeispielen und Einordnung eigener Fälle der Teilnehmer:innen. - Therapeutische Effekte
Entwicklung emotionaler Klarheit, Autonomie und verbesserter Selbstregulation.
Warum dieser Kurs?
Viele psychodynamische Therapien bleiben anhaltend begrenzt wirksam, wenn präverbale Traumaspuren unbeachtet bleiben. Symptome, Affektdurchbrüche oder Beziehungsschwierigkeiten lassen sich dann zwar beschreiben, aber nicht nachhaltig verändern. Die Arbeit am Körperselbst eröffnet hier einen entscheidenden Zugang, um frühe Traumatisierungen erstmals psychisch verfügbar zu machen.
Der Kurs vermittelt eine konzeptionell klare und klinisch erprobte Behandlungstechnik für genau diese Herausforderung. Er richtet sich an Therapeut:innen, die Trauma nicht nur verstehen, sondern auf der Ebene bearbeiten wollen, auf der es entstanden ist – im Körper, in der Beziehung und jenseits des rein Sprachlichen.